Geschichte
In einer Zeit ohne Hoffnungsschimmer, in der Plünderung und Folter Alltag sind, nur Gewalt und Siechtum gedeihen, unzählige Menschen getötet und in der selbst der Krieg müde geworden, doch unfähig, sich selbst zur Ruhe zu legen, stellt sich schlussendlich die Frage nach einem gerechten und barmherzigen Gott. Darum sage ich euch, Ratsherren, Bürger, Brüder, zieht unsere Mauern höher und lasst niemanden mehr durch das Tor, der diesem falschen Gott und seiner Zerstörungswut anhängt. Denn nur die Unverblendeten vermögen diesem Wahnsinn zu widerstehen...
Aus der Antrittsrede des Guntram Blauenbrück
Eldermann des Freien Hansebundes
Oberbürgermeister von Hamburg
im Winter 1639
Wir schreiben das Jahr 1640. Vor fünf Jahren wurde ein wackeliger Waffenstillstand zwischen den verfeindeten Parteien des Teutschen Krieges geschlossen, welcher 1581 mit dem bewaffneten Widerstand der Niederlande gegen Spanien begonnen und sich ab 1618 zu einem barbarischen Gemetzel gewandelt hatte, als die Heere der Katholischen Liga und die der Protestantischen Union ohne Rücksicht marodierend durch das Kaiserreich gezogen waren.
Fünf Jahre währt der Waffenstillstand nun schon. Fünf Jahre, die zum Wiederaufbau genutzt wurden, aber auch zur Aufrüstung aller Parteien. Genua und Mailand bekamen die achte Kurwürde des Reichs zugesprochen und stellen damit einen eigenen Kurfürsten. Die Hanse konnte ihren Niedergang durch weitreichende Handelsverträge mit der Ost-Indien-Kompanie und der West-Indien-Kompanie abwenden, nahm jüngst drei weitere Städte in ihren Verbund auf und eröffnete zwei neue Fernhandelskontore.
Viele Städte sind zu wehrhaften Bastionen mit mehreren Tausend Bürgern angewachsen. Größtenteils von den Gräuel des Krieges verschont geblieben, haben sie sich am besten von allen Reichsteilen erholen können und streben nun nach Mehrung ihres Wohlstandes.
Die Bürgerschaft der freien Städte lebt gut von seinen Kleingewerben, wie Schmieden, Wagnereien und Apotheken. Wenige, wagemutigere Männer und Frauen aber wollen es mit den alteingesessenen Patrizierfamilien aufnehmen und sich einen Platz unter den oberen Kaufmannsgeschlechtern erkämpfen.
Von ihren Kontoren aus schmieden sie Pläne in vielerlei Richtungen: sie eröffnen eigene Handwerksbetriebe und lassen diese von fähigen Meistern leiten, sie treiben mit anderen Städten Handel, erreichen einen Sitz im Stadtrat, werden Geschäftspartner der Hanse, leihen Adligen Geld, leiten oder beteiligen sich an riskanten Handelsunternehmen, spekulieren an der Börse und bekämpfen ihre Konkurrenz öffentlich oder heimlich mit dutzenden unterschiedlicher Strategien.